WALTER RIML - Schauspieler, Fotograf und Kameramann

Biografie...

 


Walter Riml wird am 23.9.1905 in Innsbruck geboren.

Walter, dieser baumlange Tiroler, war ein begeisterter Sportler und fantastischer Skifahrer. Und er muss ein Original gewesen sein. Als er nämlich vom schwedischen Wasalauf hört packt ihn der Ehrgeiz und er meint: „Das kann ein Tiroler eh schon lang!" Packt seine Skier und fährt mit der Bahn zum Brenner. Von dort macht er sich mit seinen Skiern auf den Weg nach Scharnitz. Diese Strecke bewältigt er in 8 ½ Stunden. Ein bis heute nicht eingestellter Rekord.

Die 20er Jahre, Walters Jugendzeit, sind Jahre der wirtschaftlichen Depression.
Riml muss, trotz einer fundierten Ausbildung, Gelegenheitsarbeiten annehmen um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Als er daher eines Tages hört, dass ein Filmteam am Arlberg einen Skifilm dreht, macht er sich mit Skiern und seinen letzten 10 Schilling auf den Weg um sein Glück zu versuchen. Zunächst weist ihn der Regisseur + Produzent Dr. Arnold Fanck ab. Da bricht bei stürmischem Wetter das hölzerne Bein des Kamerastativs und Ersatz ist nicht zu bekommen. Riml ergreift seine Chance und repariert das Stativ in einer Nacht. Daraufhin wird er von Fanck für den Film „Der große Sprung“ (1926/27) als Träger, Skifahrer und Assistent engagiert.


Bereits am Anfang seiner Filmkarriere begeistert sich Walter Riml für das Kamerahandwerk. Seit 1928 erlernt er an der Seite der erfahrenen Kameramänner Sepp Allgeier, Richard Angst und Hans Schneeberger die Technik der Kameraführung und gehört bald ebenfalls zur anerkannten Riege der Bergfilmpioniere.

Doch zunächst macht er als Schauspieler im Film „Der weiße Rausch“ (1930) Karriere.
Mit seinem Partner, dem Innsbrucker Skifahrer Guzzi Lantscher in der Rolle als Zimmermann Tietje, verkörpert Walter den langen „Hamburger Zimmermann“ Fietje.
Walter Riml und Guzzi Lantschner: das ist die deutsche Antwort auf das Duo Pat und Patachon. Mit großem Erfolg spielen die zwei in den Filmen „Der weiße Rausch“, "Abenteuer im Engadin“ und "Nordpol - Ahoi!". Dieser letzte Film mit den Beiden, gedreht während der Fanck´schen Grönland-Expedition (1933), ist bei seiner Premiere 1934, ein Sensationserfolg, wie die Presseberichte der damaligen Zeit beweisen.

Riml und Lantschner erhalten nach diesem Filmerfolg sogar das Angebot für einen 2-Jahres Vertrag der Universal-Film nach Hollywood. Doch dieser Vertrag wird nie unterschrieben und nach „Nordpol-Ahoi!“ gibt es keinen Film mehr mit diesen „Hamburger Zimmerleuten“.
Walter Riml erzählt später, dass es wohl auf Anweisung Goebbels geschah, der meinte, „dies sei kein deutscher Humor“...
Verständlich werden diese „Anweisung“ und das Nichtzustandekommen des Filmkontrakts, wenn man weiß, dass die Figuren der „Hamburger Zimmerleute“ vermutlich auf die jüdischen Vaudeville Künstler, die Gebrüder Wolf, zurück gehen.
Der Film „Nordpol – Ahoi!“ ist bis heute verschollen.

Anfang der 30er Jahre geht Walter Riml nach Berlin. Bis Kriegsausbruch ist er ununterbrochen als Kameramann engagiert. Für Arnold Fanck, Luis Trenker, Leni Riefenstahl oder Artur Maria Rabenalt dreht er u.a. in Deutschland, Grönland, Japan, Italien und der Schweiz.

Herausragend ist seine Arbeit als Standfotograf und 2. Kameramann für Leni Riefenstahls Spielfilmdebut „Das blaue Licht“ (1931).

 
Walter Rimls weltberühmtes Foto von Riefenstahl als Junta
im Film "Das blaue Licht"



1933 ist Walter Riml Mitglied der Fanck´schen Grönland Expedition. Doch in Grönland dreht er nicht nur den Film "Nordpol-Ahoi!". Im Fanck-Film "SOS Eisberg" spielt der lange Tiroler an der Seite von Leni Riefenstahl, Gustav Diessl und Sepp Rist die Rolle des Kochs "Fritz Kümmel".
Nebenbei drehte Riml Dokumentaraufnahmen von Gletscherkalbungen und die Entstehung von Eisbergen.
Noch einmal führt ihn seine Arbeit nach Grönland. 1935 organisiert Walter Riml eine eigene Expedition um dort für den Film "Das große Eis - Alfred Wegeners letzte Fahrt" weitere Dokumentaraufnahmen zu machen.

Als Kameramann begleitet Walter Riml seinen Entdecker und Mentor Arnold Fanck 1936 nach Japan. Es entsteht der Film „Die Tochter des Samurai“ sowie viele verschiedene Dokumentar-Kulturfilme.
Ein weiteres Resultat der Arbeiten in Grönland und Japan ist sein Bildarchiv mit über 30.000 Negativbildern dieser Reisen.

Nach seiner Rückkehr aus Japan engagiert Luis Trenker, Bergfilmspezialist, Regisseur und Schauspieler, Walter Riml für seinen Filmklassiker "Der Berg ruft" (1937). Nochmals holt sich der Regisseur den Kameramann für die Komödie "Liebesbriefe aus dem Engadin" (1938). Hier brilliert Riml erneut mit seiner Kamera, in dem er parallel Zug- und Skiaufnahmen zeigt. Die Kamera ist dabei losgelöst von aller Starre, wirkt wie entfesselt. Walter Riml fasst die rasende Kamerafahrt in seinen Bildern gekonnt ein. Eine für damalige Zeiten revolutionäre technische und filmische Meisterleistung.

Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs ist ihm, im Gegensatz zu seinen Kamerakollegen der „Freiburger Schule“, die Arbeit bei „zivilen“ Filmen nicht mehr möglich. Er wird als „Sonderberichter“ (Kamera) eingezogen.
Durch einen Bombenangriff auf Berlin werden später die meisten seiner Filmunterlagen und Negativbilder vernichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet er zunächst als Kameramann für die US-Armee. Danach, ab Mitte 1946, ist Walter Riml an der Gründung und am Aufbau des bis heute einzigen Tiroler Filmateliers beteiligt. Gleichfalls engagiert er sich als stellvertretender Obmann in der neugegründeten Filmgewerkschaft Tirols. Im Tiroler Atelier steht er auch für einen der ersten Nachkriegsfilme Österreichs, dem Film „Wintermelodie“, hinter seiner Kamera. Bei sechs von insgesamt achtzehn im Tiroler Filmatelier produzierten Filmen ist er als Kameramann tätig.

Als einer der ersten westlichen Kameramänner überhaupt fährt er 1956 in die UDSSR. Es entsteht die Dokumentation "Wir sahen mit unseren Augen - Russland heute".

Seit Anfang der 60er arbeitet Walter Riml auch für Film- und Fernsehproduktionen. So bspw. für die legendäre Vorabendserie „Funkstreife Isar 12“, die beliebte „Versteckte Kamera“ oder die TV-Serie „Unsere Nachbarn im All“ von Professor Heinz Haber.

Sein großes Können als Bergfilmer wird für den James Bond Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ nochmals nachgefragt und Riml wird als Spezialist für die Berg- und Schneeaufnahmen engagiert. Seine letzte Arbeit als Kameramann ist im Auftrag des US-Fernsehens die Dokumentation zum Film „Last Valley“, welcher im Tiroler Gschnitztal gedreht wurde.

In seinem langen Filmleben war Walter Riml bei weit über 100 Spielfilmen und TV-Produktionen als Kameramann, Standfotograf und Schauspieler engagiert.
Er stirbt, fast 89-jährig, am 21. Juni 1994 in Steinach am Brenner/Tirol.

2005, zu seinem 100. Geburtstag, würdigte die Retrospektive „Fünf lange Beine – Der Kameramann Walter Riml“ im Alfons Graber Museum in Steinach am Brenner sein umfangreiches filmisches Schaffen.



Altersporträt Walter Riml
(Kreidezeichnung v. Kaoru Rauter/Australien)